Spätmesolithische Pfeilspitzen (Mikrolithen) aus Geldern-Pont III. Foto: Jürgen Vogel/LVR-Landesmuseum Bonn
Plan des Siedlungsplatzes Geldern-Pont III mit Arbeitsbereichen und Feuerstellen. Plan: Martin Heinen/Arthemus GmbH
Im Vorfeld der Renaturierung der Niers fanden südlich von Geldern-Pont, Kreis Kleve, archäologische Untersuchungen auf einem mesolithischen (Mittelsteinzeit, ca. 9650–5000 v. Chr.) Siedlungsplatz statt. Mit über 3200 qm freigelegter Fläche konnte mit Geldern-Pont III erstmals im Rheinland ein Fundplatz dieser Zeitstellung fast vollständig untersucht werden.
Die noch von Sammeln und Jagd lebenden Menschen hatten ihren Lagerplatz auf einem sandigen Geländerücken unmittelbar an der Niers aufgeschlagen. Rund 1000 aufgefundene Steinartefakte belegen, dass sie Steingeräte vor Ort herstellten – darunter vor allem Mikrolithen. Diese kleinen Steingeräte sind kennzeichnend für das Mesolithikum. Sie fanden bei der Jagd als Pfeilspitzen bzw. als seitliche Schneideneinsätze auf Pfeilen Verwendung. Häufig kommen Formen wie Trapeze und Trapezspitzen vor, von denen einige mit einer „rétouche inverse plate“, einer besonderen Retuschierung der Basis ausgestattet sind.
Besonders interessant ist die Verteilung der Artefakte, die 19 kleinere und größere Fundkonzentrationen auf dem Plan erkennen lassen. Hierbei handelt es sich vor allem um Arbeitsbereiche, in einigen Fällen möglicherweise aber auch um Abfallzonen. Verbrannte Feuersteine (Silices) und Gerölltrümmer belegen zudem mindestens 17 Feuerstellen, die meist innerhalb oder am Rand der Arbeitsbereiche lagen. Diese Fundverteilung bezeugt, dass die Menschen an den Feuerstellen saßen und dort unterschiedlichen Tätigkeiten nachgingen – nicht nur der Herstellung von Steingeräten und Jagdwaffen. Dort häufig genutzte Geräte waren Kratzer zur Fellbearbeitung, Bohrer sowie Klingen mit Gebrauchsspuren vom Schneiden und Schaben organischer Materialien.
Unter den Funden geben insbesondere die Mikrolithen Auskunft über das Alter des zeitweise genutzten Siedlungsplatzes. Mit den Trapezen und Trapezspitzen sind Formen des 7. –6. Jahrtausends v. Chr. überliefert, die eine Datierung von Geldern-Pont III in das späte Mesolithikum erlauben. Das für das nordwesteuropäische Rhein-Maas-Schelde-Mesolithikum typische schmale Rückenmesser legt eine Einordnung in diese Kultur nahe.
Autor: Martin Heinen