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im Rheinland
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Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Fund des Monats August 2026

Seltenheitswert

Eine römerzeitliche Tutulusfibel aus Rees-Bienen

Diese im Rheinland seltene Scheibenfibel wurde von einem Sondengänger mit denkmalrechtlicher Erlaubnis in Rees-Bienen, Kreis Kleve, entdeckt. Aufgrund ihrer Form, die an römische Priesterhüte erinnert, wird sie als Tutulusfibel bezeichnet

Der halbrund gewölbte Aufsatz aus silbernem, einst vergoldetem Pressblech ist auf einer bronzenen Scheibe von 2,9 cm Durchmesser aufgebracht. Ein Eisen- oder Bronzestift verband die Teile. Kleine Noppen zieren die Haube in zwei umlaufenden Reihen und werden von Perlbändern gerahmt. Eine größere Noppe mit umlaufendem geperltem Ring bildet den oberen Abschluss. Von der Nadelkonstruktion zur Befestigung der Fibel an der Bekleidung sind noch der Nadelhalter und ein Rest des Scharniers auf der Unterseite der bronzenen Scheibe erhalten, die Nadel fehlt.

Der tutulus, also die Haube der Scheibenfibel, ist hier nicht wie üblich hochaufgewölbt mit lang ausgezogener Spitze, sondern eher halbrund mit Spitzenknopf ausgeformt. Wie Vergleiche belegen, stammt das Stück aus westgermanischer Produktion und wurde zwischen 250–300 n. Chr. gefertigt. Das Pressblech und die Noppen sind äußerst beliebte Ziermotive im germanischen Gebiet in dieser Zeit.

Diese frühe und ungewöhnliche Variante einer Tutulusfibel hat im linksrheinischen Rheinland Seltenheitswert. Wenige Bruchstücke ähnlicher Fibeln sind aus dem rechtsrheinisch gelegenen Gräberfeld von Leverkusen-Rheindorf bekannt. Gut vergleichbar ist das Fibelpaar aus dem Gräberfeld von Dienstedt in Thüringen, das namengebend für den Typ ist. Unser Fund belegt weit reichende Verbindungen zwischen dem römischen Rheinland und dem germanischen Siedlungsgebiet während der Zeit feindlicher Einfälle und römischer Reichsspaltung.

Die frühen Tutulusfibeln, wie unser Fund, sind die Vorbilder für die größeren Formen die sich im 4. und frühen 5. Jahrhundert entwickeln und zu den häufigsten und auffallendsten germanischen Fibelformen zwischen Elbe und Loire zählen. Die mit den Fibeln vorkommenden Grabeigaben lassen auf Frauen als Trägerinnen schließen. Die Tutulusfibeln wurden stets paarweise auf den Schultern zum Schließen eines Gewandes getragen.

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