Mahlkugeln aus einer Ultramarinfabrik in Duisburg, Durchmesser zwischen ca. 2 und 10 cm. Foto: Jürgen Vogel / LVR-Landesmuseum Bonn
Schema einer Kugelmühle mit waagerechter Mahltrommel. aus: L. Sell, Kugelmühlen mit waagerechter Mahltrommel. Polytechnisches Journal 306, 1897, 41 Abb. 1
Im Duisburger Dellviertel wurde im Zuge der Errichtung einer Feuerwache der gründerzeitliche Teil der Ultramarinfabrik Curtius ausgegraben. In der 1849 gegründeten Fabrik stellte man bis 1961 das synthetische Blaupigment Ultramarin her, das u. a. zum Färben von Textilien und Papier Verwendung fand.
Von einem der Herstellungsschritte in einer langen Prozesskette zeugen teilweise ultramarinblau verfärbte Mahlkugeln aus Keramik, die in verschiedenen Größen und größerer Anzahl geborgen wurden. Sie kamen in Kugel-, sog. Weißmühlen, zum Zerkleinern der Rohmischung zum Einsatz. Derartige Mühlen boten neben der hohen Mahlqualität auch den Vorteil einer größeren Mahloberfläche, sie verklebten nicht und waren leicht zu warten.
Kugelmühlen verfügten über waagerecht orientierte Mahltrommeln, in die das Mahlgut aus Kaolin bzw. speziellen Tonerden, Soda und Schwefel mit den Mahlkugeln eingefüllt wurde. Die permanente Bewegung der Kugeln während des Betriebs gewährleistete ein kontinuierliches Zerkleinern des Mahlguts, wobei die unterschiedlich großen Mahlkugeln die Feinheit des Produktes sicherstellten.
Je nach Bauart der Mühle konnte diese im laufenden Betrieb durch einen Durchlass in der Narbe der Trommelachse bestückt werden. Der Austrag erfolgte nach Erreichen des gewünschten Mahlgrades durch Durchlässe in der Mahltrommel, die von einer Siebtrommel umgeben war. Durch diese gelangte nur Material im gewünschten Feinheitsgrad heraus. Zu grobes Material transportierten integrierte Schaufeln wieder zurück in die Mahltrommel.
Die gemahlene Rohmischung wurde unterhalb der Trommel aufgefangen und dann weiterverarbeitet. Zunächst wurde sie bis zu 24 Stunden gebrannt, das gebrannte Material dann mehrere Wochen abgekühlt, gewaschen, gemahlen, aufgeschlämmt bis es in Absetzbecken gelangte, in denen sich das blaue Pigment nach Güte ablagerte.
Ultramarin, das ursprünglich aus Lapislazuli hergestellt worden war und seinem Gewicht in Gold entsprach, wurde durch die Entdeckung des Syntheseverfahrens im 19. Jahrhundert zu einem Massengut.
Autor: Felix Jasiak
In der Ausstellung „Archäologie im Rheinland 2025“, die vom 03.02. bis 22.03.2026 im LVR-Landesmuseums Bonn zu sehen ist, werden weitere Funde aus der Ultramarinfabrik gezeigt und weiterführende Informationen zu den Befunden und dem gesamten Produktionsprozess gegeben.