Vorderseite des 4,5 cm hohen Pfeifenkopfes mit Inschriftenrest und unvollständiger Figur des Hl. Cornelius. Foto: Jürgen Vogel/LVR-Landesmuseum Bonn
Rückseite des Pfeifenkopfes mit Inschrift. Foto: Jürgen Vogel/LVR-Landesmuseum Bonn
Vollständige Tonpfeife desselben Typs (Vorderseite). Foto: Marcel Zanjani/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
In einer spätneuzeitlichen Planierschicht wurde bei Grabungsarbeiten in der Franzstraße in Aachen ein Pfeifenkopf aus weißem Ton gefunden. Darauf befinden sich Inschriften und auf dem Rest des Pfeifenstiels steht eine Bischofsfigur, deren Kopf fehlt.
Die auf der Vorderseite sichtbare Inschrift ist nur teilweise lesbar: „H. CORN […]“. Auf der Rückseite lautet die vierzeilige Inschrift: „IN KORNELIMUNSTER / HAB ICH AN DICH GEDACHT / UND DIR VON DORT DIESES / ANDENKEN MITGEBRACHT“ (vgl. Foto).
Die Inschriften verweisen darauf, dass es sich bei der Figur wohl um den heiligen Cornelius handelt, der von 251 bis 253 n. Chr. Bischof von Rom war. Er gilt als Märtyrerpapst, wobei die Quellenlage nicht eindeutig ist. Die Reliquien des Heiligen werden seit Mitte des 9. Jahrhunderts in der Reichsabtei Kornelimünster aufbewahrt, wo er seither als Namensgeber und Schutzpatron der Abtei und des umliegenden, heute zu Aachen gehörenden Stadtbezirks, gilt.
Das Pilgerandenken und Souvenir aus Kornelimünster ist wahrscheinlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Westerwald produziert worden, woher auch das vollständige Stück stammt. In dieser Region hat die Pfeifenbäckerei wegen der lokalen Vorkommen von besonders feinen Tonen eine lange Tradition.
Sowohl Kornelimünster als auch Aachen sind wichtige Stationen des Jakobsweges im Rheinland. Ob unser Fund im Besitz einer pilgernden Person war oder ob er ein Mitbringsel für eine andere Person darstellte, wie auf der Inschrift zu lesen ist, bleibt offen.
Das Fundstück ist ein gutes Beispiel für die wirtschaftliche Bedeutung der Tourismusbranche, die durch berühmte Reliquien an einem Ort entstehen kann. Kornelimünster entwickelte sich wegen der kostbaren Heiligtümer aus dem Reliquienschatz Karls des Großen und insbesondere der Reliquien des heiligen Cornelius zu einem wichtigen Wallfahrtsort. Die Pilger*innen, die nach Kornelimünster kamen, kauften nicht nur Pilgerandenken und Souvenirs, sondern mussten auch beherbergt und bewirtet werden. Dadurch etablierte sich entlang des Jakobsweges schon sehr früh ein wichtiger Wirtschaftszweig, der bis heute Bestand hat.
Autor: Ingo Lorenz/Goldschmidt Archäologie & Denkmalpflege
Mit freundlicher Unterstützung des Heimat- und Eifelvereins Kornelimünster e.V.