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Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Fund des Monats Juli 2026

Trauriges Zeugnis deutscher Geschichte

Ein Taschenmesser aus Krefeld

Während einer Feldbegehung fand ein lizenzierter Sondengänger bei Krefeld-Hüls ein Taschenmesser mit Aufschrift „Spanier, bessere Herrenbekleidung, Krefeld, Friedrichstr. 9“. Welch traurige Geschichte sich hinter diesem Werbeartikel verbergen sollten, gaben die Recherchen preis.

Voller Stolz ließ der jüdische Textilkaufmann Leopold Spanier zwischen 1910 und 1937 den Namen und die Adresse seines Geschäftes auf diesen Werbeartikel aufbringen. Er führte das immerhin zweitgrößte Herrenbekleidungsgeschäft in Krefeld gemeinsam mit seiner Frau Rosa Ruth Spanier, geb. Leven, einer gebürtigen Krefelderin, die er 1897 geheiratet hatte. Zwei Jahre zuvor war er aus Paderborn hierhergezogen und hatte ein erstes Textilgeschäft am Ostwall eröffnet.

Ab 1933 bekam auch die Familie Spanier den nationalsozialistischen Judenhass zu spüren. Tochter Klara emigrierte 1935 mit zweitem Mann und gemeinsamen Kind in die Niederlande, Sohn Walter folgte wenige Monate später. 1937 kündigte die Stadt Krefeld den Mietvertrag für das Geschäft. Das Ehepaar Spanier blieb mit den beiden Kindern aus Klaras erster Ehe noch bis zur Pogromnacht 1938 in Krefeld, bevor sie Tochter und Sohn folgten und sich in Hilversum niederließen; Bruder Ernst Spanier, der seit 1918 im Geschäft mitgearbeitet hatte, zog nach Zutphen. Nach dem deutschen Einmarsch 1940 floh Walter mit Ehefrau über Frankreich, Portugal und Kuba in die USA. Klara und ihrer Familie gelang die Flucht nach Kanada.

Leopold und Rosa sowie Ernst Spanier blieben und wurden nach 1940 zunächst ins Durchgangslager Westerbork gebracht. Am 5. Mai 1943 wurde das Ehepaar in das Vernichtungslager Sobibor (Polen) deportiert und am 7. Mai 1943 ermordet. Ernst Spaniers Deportation dorthin erfolgte Ende Mai, am 28. Mai 1943 wurde auch er ermordet. Der Aufstand jüdischer Häftlinge und die folgende Zerstörung des Lagers im Oktober 1943 kam für sie zu spät.

Ihre Nachkommen überlebten den Krieg. Walter besuchte Krefeld sogar noch einmal 1971. Er starb 1973 in New York, seine Schwester Klara 1982 in Großbritannien.

Autor: Patrick Albert

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