Schminkpalette aus Marmor mit Resten eines hölzernen Pigmentkästchens aus einem römerzeitlichen Grab in Bonn. Foto: Jürgen Vogel/LVR-Landesmuseum Bonn
Schminkpalette und Überreste des Pigmentkästchens bei der Freilegung. Links sind die Fußknochen und rechts ein Teil der Leichenbrandschüttung zu sehen. Foto: Carsten Maass/LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
Rekonstruktion des hölzernen Pigmentkästchens mit nachempfundener Schminkpalette mit roten Farbresten am Rand. Foto: Jürgen Vogel/LVR-Landesmuseum Bonn
Ein besonderes Fundensemble stellt die rechteckige Schminkpalette aus Marmor mit den selten erhaltenen Resten eines hölzernen Pigmentkästchen dar. Es stammt aus einem Grab vom Ende des 2./Anfang des 3. Jahrhunderts, das bei einer Ausgrabung in der römischen Zivilsiedlung (vicus) von Bonn freigelegt wurde. Gemeinsam mit zwei weiteren Gräbern lag es nahe der römischen Fernstraße.
Ungewöhnlicherweise waren in dem Grab gleich drei Personen nach unterschiedlichen Bestattungssitten beigesetzt: So war der Leichnam eines 40–60-jährigen Mannes zusammen mit den verbrannten Überresten einer gleichalten, wohl weiblichen Person in einem Holzsarg bestattet worden. Ein im Alter zwischen 30 und 50 Jahren verstorbener Mann wurde ebenfalls verbrannt. Sein Leichenbrand hatten die Angehörigen in einer Gesichtsurne niedergelegt, die in einer separaten Nische stand. Den Toten waren zahlreiche Keramik- und zwei Glasgefäße als Speise- und Trinkgeschirr beigegeben worden. Ein röhrenförmiges Bronzeobjekt lag in der Hand des im Sarg bestatteten Mannes. Zu dessen Füßen, oberhalb des Leichenbrandes der wohl weiblichen Person fand sich die Schminkpalette mit den Resten des Pigmentkästchens.
Die zur Schönheitspflege dienenden Utensilien gaben bei den Untersuchungen einige Geheimnisse preis. So wurde das sehr kleine Kästchen von nur 7 × 3 × 2 cm Größe aus Tannenholz gefertigt, wie die holzanatomische Analyse durch Ursula Tegtmeier am Labor für Archäobotanik der Universität zu Köln ergab. Tannen waren im römischen Rheinland nicht heimisch und ihr Holz musste importiert werden.
Die Untersuchung und Konservierung in der Restaurierungswerkstatt des LVR-Landesmuseums Bonn erlaubten nicht nur eine Rekonstruktion des Kästchens, sondern erbrachten auch den Nachweis von Farbpigmenten. Es verfügte über einen Deckel mit bronzenem Griff und Omega-förmigen Ösen, deren ursprüngliche Position offen bleibt. Das Kästchen enthielt noch reichlich rotes und schwarzes Pigment, was zum Schminken der Augen und Lippen diente. Auf der Schminkpalette aus italischem Marmor fand sich Bleiweiß als antikes Make-up, was Hautreizungen und schwere Erkrankungen auslösen konnte. Von der Nutzung der Palette zeugen rote Pigmentreste am Rand, die mit Öl zu einer auftragbaren Paste verrieben werden mussten.
Ob es sich bei diesem sehr kleinen Kästchen um den Einsatz eines größeren, mehrfach unterteilten Kästchens handeln könnte, wie sie aus Bronze, Elfenbein oder auch Holz aus zeitgleichen Fundkontexten überliefert sind, ist aufgrund der stark abgebauten Holzsubstanz nicht mehr nachzuweisen.
Autorinnen: Melina Dohm, Susanne Domke und Theresa Keller