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Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Fund des Monats Juni 2024

Anbetungswürdig

Eine Venusstatuette aus Kerpen-Manheim

Im „Bochheimer Feld“ bei Kerpen-Manheim wurde im Vorfeld des Braunkohlentagebaus Hambach ein römisches Landgut (villa rustica) ausgegraben.

In der Verfüllung eines Brunnens der Villa fand sich eine Terrakotta-Statuette, deren Kopf und Füße fehlen. Die Statuette ist aufgrund ihrer Darstellungsweise und dem begleitenden Amorknaben als Venus, Göttin der Liebe, zu identifizieren. Sie ist – wie üblich – nackt dargestellt, nur um die Arme schmiegt sich ein Gewand. Als Schmuck trägt sie mehrere Armreife. Sie hält ein kranzartiges Attribut, der Amor ein rundes Objekt, vielleicht einen Apfel.

Da der Kopf der Venus fehlt, kann eine bewusste Zerstörung und Versenkung im Brunnen nicht ausgeschlossen werden, zumal ein – ebenfalls kopfloser – Jupiter aus Kalkstein im selben Brunnen entdeckt wurde. Ob dies aus rituellem Anlass oder anderen Gründen geschah, bleibt den abschließenden Untersuchungen vorbehalten.

Die Venus wurde in den Kölner Werkstätten hergestellt. Die Terrakotta gehört dort zum späten Werkstattkreis, datiert also etwa in die spätantoninische bis severische Zeit (spätes 2. bis Anfang 3. Jahrhundert n. Chr.). Damals handelte es sich um modelgeformte Massenware. Heute sind nur noch etwa eine Handvoll Exemplare dieser Ausformung überliefert. Rußspuren auf der Vorderseite der Statuette weisen darauf hin, dass die Liebesgöttin – beispielsweise von einem Öllämpchen beleuchtet – in einem Hausheiligtum (lararium) stand.

Martin Grünewald