LVR-Amt für
Bodendenkmalpflege
im Rheinland
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Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Der Niedergermanische Limes – Der Rhein als eine Grenze des Imperium Romanum

Grenzsicherung am Rhein

Die Stationierung römischer Legionen entlang des Flusses unter Kaiser Augustus revolutionierte eine Jahrtausende alte ländliche Siedlungslandschaft: Ab etwa 15 v. Chr. prägten monumentale Architektur, urbane Kultur, Menschen- und Warenströme aus weit entlegenen Teilen der damals bekannten Welt das linke Rheinufer – Werte, die bis heute das Rheinland kennzeichnen.
Entlang des antiken Rheinufers reihten sich von der Nordseeküste bei Katwijk aan Zee (NL) bis zur Einmündung des Vinxtbachs bei Bad Hönningen-Rheinbrohl (DE) die Standorte des niedergermanischen Heeres (exercitus Germaniae inferioris) auf einer Länge von ca. 400 km einer Perlenkette gleich auf. Dabei kam dem etwa 220 km langen Abschnitt im heutigen Rheinland eine zentrale Bedeutung zu: Er diente als Hauptstationierungsraum der Legionen mit den wichtigsten Legionslagern (castra) Bonna / Bonn, Novaesium / Neuss und Vetera / Xanten. Hier lag in Köln-Marienburg auch der zentrale Stützpunkt der Rheinflotte (classis Germanica), die bis in die Nordsee hinein operierte. In der Colonia Claudia Ara Agrippinensium / Köln residierte der kaiserliche Statthalter (legatus Augusti pro praetore) in seinem Palast (praetorium) als Oberbefehlshaber der gesamten niedergermanischen Armee, die immer wieder auch für Feldzüge in entfernte Reichsteile und darüber hinaus eingesetzt wurde. Wachtürme (turres bzw. burgi), Kleinkastelle und Hilfstruppenkastelle (castella) sicherten den Waren- und Personenverkehr entlang des Rheins und über die Grenze des Imperium Romanum hinaus. Um den monumentalen Anspruch Römischer Baukunst auch am Rhein umzusetzen, unterhielt das Militär auch Produktionsorte wie etwa Ziegeleien (figlinae) oder Kalkbrennereien.

Zeugnisse des Niedergermanischen Limes

Bedeutende und vielfältige Zeugnisse des Niedergermanischen Limes sind an zahlreichen Orten erhalten und heute noch erfahrbar. In den Innenstädten hat die urbane Kontinuität die antiken Bodendenkmäler oftmals geschützt und erhalten. So prägen die Lagerstraßen der Legionslager von Bonn und Neuss noch heute das örtliche Straßenbild. Das Praetorium zu Köln, dessen mächtige Grundmauern unter dem sog. Spanischen Bau präsentiert werden, gilt als der am besten erhaltene Statthalterpalast im römischen Reich. Spätantike Festungsbaukunst hat sich ebenfalls über die Jahrhunderte im Rheinland noch obertägig gut sichtbar erhalten, wie im Fall der Kastelle von Divitia / Köln-Deutz und Haus Bürgel bei Monheim.
Selbst die zu Übungszwecken von römischen Soldaten angelegten Lagerwälle im Kottenforst bei Bonn und im Hochwald bei Uedem sind nach wie vor obertägig im Gelände zu bestaunen. Unüberbaut präsentieren sich das größte Legionslager des Römischen Reiches, das Zweilegionenlager Vetera I auf dem Fürstenberg bei Xanten sowie die beiden rheinabwärts folgenden Hilfstruppenkastelle von Burginatium / Kalkar-Altkalkar und die jüngst entdeckten Lager von Till. Die Grundrisse kamen durch den Einsatz von Luftbildarchäologie und geophysikalischen Prospektionsmethoden zum Vorschein und liefern spannende Einblicke in die antike Militärarchitektur.

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