LVR-Amt für
Bodendenkmalpflege
im Rheinland
Logo Landschaftsverband Rheinland - zur Startseite
Tüllenkanne Pingsdorfer Machart, um 1200, Fundort Brauweiler (Foto: Alfred Schuler, LVR-ABR)

Archäologie
im Rheinland

Online-Vortragsreihe "Roman Networks in the West"

Im Rahmen der Initiative „Roman Networks in the West" führt das LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland in Kooperation mit der Universität des Saarlandes, den Universitäten Frankfurt und Köln und dem Museum Burg Linn in Krefeld eine digitale Ringvorlesung durch. Ziel ist es, auch in der Corona-Pandemie den wissenschaftlichen Austausch zu fördern und Einblicke in neue Forschungen zu vermitteln.

Der Themenschwerpunkt der Vorträge liegt auf spätlatènezeitlicher und frühkaiserzeitlicher Archäologie im römischen Westen. An mehreren Terminen werden Spezialisten verschiedener Disziplinen online ihre aktuellen Ergebnisse präsentieren und sich selbstverständlich auch den Rückfragen des Publikums stellen.

Verwandte Links:

Tagung in Kommern 2016

Tagung in Krefeld 2018

Publikation


Vorträge

Der nächste Doppelvortrag in dieser Reihe findet am 21.11.2022 um 18:15 Uhr statt:

Maike Groot und Simon Trixl werden in einer gemeinsamen Betrachtung Ihren Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung – insbesondere der Viehwirtschaft – zwischen später Eisenzeit und der römischen Okkupation richten. Sie stellen hierbei die Entwicklungen in der Dutch frontier zone und dem Alpenvorland gegenüber.

Referent: Dr. Simon Trixl (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)

Thema: Blüte – Krise – Neubeginn? Archäobiologische Untersuchungen zu Wirtschafts- und Kulturwandel zwischen Oppida-Zivilisation und römischer Kaiserzeit

Referentin: Dr. Maaike Groot (Freie Universität Berlin)

Thema: Animal husbandry in the Late Iron Age-Roman transition in Dutch frontier zone: continuity or changing practices?

Bei Interesse schicken Sie bitte eine Email an roman-networks@lvr.de, Sie werden dann in einen Verteiler aufgenommen, über den Sie die Einwahldaten zu diesem und den weiteren Vorträgen erhalten. Wenn Sie sich bereits für einen anderen Vortag dieser Reihe angemeldet hatten, brauchen Sie sich nicht erneut zu melden.

Nähere Informationen zu dem Vortrag finden Sie folgend:


Simon Trixl, Blüte – Krise – Neubeginn? Archäobiologische Untersuchungen zu Wirtschafts- und Kulturwandel zwischen Oppida-Zivilisation und römischer Kaiserzeit

Wie für viele Gebiete, so war auch für das nördliche Alpenvorland die Eingliederung in den römischen Machtbereich mit enormen soziokulturellen und wirtschaftlichen Umbrüchen verbunden. Doch bereits die Phase unmittelbar vor der römischen Okkupation des Jahres 15 v. Chr. war von einem massiven Wandel geprägt: Noch Ende des 2. vorchristlichen Jahrhunderts lässt sich mit der Oppida-Zivilisation ein bis dahin ungekannter Grad der Urbanisierung fassen: Die namengebenden stadtartigen Siedlungen waren politische und ökonomische Zentren, deren Versorgung auf einem komplexen Wirtschaftssystem basierte, das landwirtschaftliche Produktionseinheiten des Umlandes ebenso einschloss wie überregionale Netzwerke. Im Verlauf der 1. Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. weisen allerdings zahlreiche archäologische Indizien auf einen Zerfall dieser Strukturen hin: Importe aus dem Mittelmeergebiet brechen ab, Siedlungen werden teils in Zusammenhang mit Brandereignissen aufgegeben und die Bevölkerungsdichte geht stark zurück. Für diesen krisenhaften Zusammenbruch der Oppida-Zivilisation werden unterschiedliche Faktoren wie eine Übernutzung natürlicher Ressourcen, Seuchen und militärische Auseinandersetzungen diskutiert.

Der Vortrag zeigt zunächst auf, welche Auswirkungen diese Geschehnisse auf einen wesentlichen Aspekt des Alltags- und Wirtschaftslebens der damaligen Bevölkerung hatte: Die Viehwirtschaft. Wie veränderte sich die Haltung und Nutzung von Haustieren unter dem Eindruck der krisenhaften Ereignisse? Lassen sich Impulse fassen, die eine Anpassung der Viehwirtschaft an ein sich veränderndes sozioökonomisches Umfeld anzeigen? Fragen wie diese können anhand von Faunenresten aus späteisenzeitlichen Fundstellen untersucht werden, wie sie aktuell im Fokus des DFG-Projektes Viehwirtschaft in der Krise? Die Archäozoologie des spätlatènezeitlichen Kulturwandels zwischen Donauraum und Inntal stehen.

Im Anschluss gilt es zu klären, ob und wie diese Wirtschaftssysteme nach der Okkupation des Jahres 15 v. Chr. in die römischen Strukturen eingebunden wurden. Ist hier von einem völligen Neuanfang der Viehhaltung in den Provinzen Rätien und Obergermanien auszugehen oder wird eine Kontinuität in der Tiernutzung und damit auch in der Besiedlung evident? Und welche Rolle spielte dabei der Import von Nutzviehschlägen aus dem mediterranen Raum?

Wie regional differenziert wir solche Fragen einer wirtschaftlichen Kontinuität zwischen der Eisen- und Kaiserzeit in den römischen Nordwestprovinzen bewerten müssen, wird schließlich ein Vergleich mit der von Maaike Groot für die Niederlande vorgestellten Situation aufzeigen.

Über Simon Trixl: Er studierte von 2008 bis 2013 Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie, Provinzialrömische Archäologie und Paläoanatomie (Archäozoologie) in München und Kiel. Zwischen 2013 und 2017 promovierte er in München über die Entwicklung der späteisenzeitlich-frührömische Viehwirtschaft im Alpenraum und dem nördlichen Alpenvorland. Daran schloss sich eine Tätigkeit als Archäozoologe in verschiedenen Drittmittelprojekten an den Universitäten Bonn und München sowie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften mit geographischen Schwerpunkten in Nordafrika, dem Alpenraum und der Mongolei an. Seit 2021 ist er Fachreferent für Archäozoologie am Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg. Sein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Entstehung und dem Wandel vormoderner Subsistenzmuster.

Maaike Groot, Animal husbandry in the Late Iron Age-Roman transition in Dutch frontier zone: continuity or changing practices?

The Roman occupation of the southern half of the Netherlands brought major changes to the local population: political, administrative, cultural but also economical. The establishment of urban centres and the row of military forts along the river Rhine meant a large population that had to be supplied with food. One of my main research interests is the adaptation of local farming communities to market demand and/or taxation or requisition.

In the past, Roman archaeologists had a rather negative image of the local farmers and believed that they would not be able to supply much food. This was based on the continuity of rural settlement and the lack of large villas in the frontier zone. While this image has changed, we still do not understand exactly how local communities managed to change from subsistence farming to a combination of subsistence and surplus production. There are also still questions about the nature of animal husbandry in the Iron Age, for example the importance of dairy production.

In this talk, I will describe what we know about animal husbandry for the Dutch frontier zone. I will go into the differences between site types: towns, military sites, small rural settlements and villas, and contrast developments north and south of the limes. The role of the indigenous population is central: due to the near absence of villas, agricultural production in the frontier zone was in the hands of small farmsteads. The high settlement density means that even small-scale surplus production would result in a large total surplus.

Comparing my results with those presented by Simon Trixl will allow us to investigate the timing and extent of changes in animal husbandry caused by the Roman occupation in different regions, as well as compare developments in the preceding Late Iron Age.

Über Maaike Groot: Dr. Maaike Groot ist seit 2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin für Archäozoologie an der Freien Universität Berlin. Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte sind Tierhaltung und Nahrungsproduktion in der späten Eisenzeit und der römischen Epoche. Zwar liegt ihr Fokus auf der nordwestlichen Grenze des römischen Imperiums, doch sind ihre Forschungen überregional, von den Niederlanden über Deutschland, Griechenland, Moldavien bis nach Jordanien, angesiedelt. Neben Produktion und Distribution behandelt sie vor allem soziale und rituelle Aspekte. Für ihre vielfältigen wissenschaftlichen Aktivitäten erhielt sie zahlreiche Stipendien, zuletzt 2018 das Marie-Skłodowska-Curie Fellowship des Europäischen Forschungsrats (ERC).

Stefan Pircher, Colonia Ulpia Traiana, aber was war davor? Entwicklungsprozesse des vorcoloniazeitlichen Siedlungsgebietes im 1. Jh. n. Chr. anhand der Grabbefunde

Die Colonia Ulpia Traiana (CUT) in Xanten erfreut sich einer langen Forschungstradition und bietet aufgrund der fehlenden rezenten Überbauung eine einzigartige Möglichkeit, eine römische Stadt mit all ihren Facetten zu erfassen. Die von Kaiser Traian um das Jahr 98 n. Chr. in den Status einer colonia erhobene Planstadt hatte bis ins 3. Jahrhundert bestand und wurde im 4. Jahrhundert erheblich reduziert. Doch was war der Ursprung dieses urbanen Zentrums? Wie groß war das Siedlungsgebiet im 1. Jahrhundert (Vorcoloniazeit)? Wer waren die Siedler:innen? Sind Hinweise auf eine auf dem Reißbrett geplante Siedlung bereits in frührömischer Zeit erkennbar?

Diesen Fragen widmete sich eine Dissertation an der Universität zu Köln mittels eines neuen methodischen Ansatzes: Basierend auf einer räumlichen (GIS) sowie zeitlichen Analyse der innerhalb der CUT lokalisierten Gräber war es möglich, wichtige Erkenntnisse über die vorcoloniazeitliche Siedlungsentwicklung innerhalb des CUT-Geländes zu gewinnen.

Über Stefan Pircher: Er hat von 2011 bis 2018 an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck die Masterstudiengänge für Archäologien und Alte Geschichte absolviert. Von 2017 bis 2021 promovierte er an der Universität zu Köln zu den frührömischen Gräbern innerhalb des Stadtgebietes der Colonia Ulpia Traiana in Xanten. Zudem war er im Zeitraum von 2016-2021 als Projektmitarbeiter und Lehrbeauftragter im Archäologischen Institut der Universität zu Köln tätig. Seit 2017 leitet er ein eigenes Forschungsprojekt in Mühldorf im Mölltal (Österreich, Kärnten), das sich mit der ländlichen Besiedelung und Ressourcennutzung im Umfeld der römischen Stadt Teurnia beschäftigt.

Marenne Zandstra, Material culture as a guide to the composition and deployment of the Roman army in the Lower Rhine area during the 1st century AD

In this lecture the main results of a research project dedicated to the study of the Roman army will be presented. The principal aim of the project was to gain a better understanding of the composition and deployment of the Roman army in the Lower Rhine area during the 1st century AD. At that early stage, the Roman army brought new objects and ideas to the border region, facilitating a major transformation of culture. Three selected archaeological categories, namely graffiti, militaria and fibulae, served as the main sources of information. Markers for cultural diversity were mapped out, in order to trace the origins of the soldiers and the people who followed in their wake. Indications of the presence of various types of military units were collected, analysed and interpreted. This has led to the conclusion that the Roman army operating in the Lower Rhine area during the 1st century AD was more diverse and more mobile than previously assumed.

About Marenne Zandstra: After graduating from Utrecht University, Marenne Zandstra studied Western European Archaeology at the Free University in Amsterdam. She then joined Radboud University in Nijmegen, where she worked for several years as an archaeological specialist at the archaeological project office Auxilia. In 2019 she received her PhD from Radboud University for her research on the composition and deployment of the Roman army units operating in the Lower Rhine area during the 1st century AD. She currently holds the office of curator of the archaeological collections at Museum Het Valkhof in Nijmegen.

Manuel Fernández-Götz, Landscapes of Interaction and Conflict in the North: Reassessing Settlement Landscapes Beyond Hadrian’s Wall

For hundreds of years, northern Britain represented a fluctuating frontier zone that witnessed episodes of conflict, interaction, and collaboration between local communities and the Roman Empire. This northernmost frontier of Rome represents an excellent case study for analysing the impact of imperial powers beyond their areas of direct control. This paper will introduce research carried out in recent years, and outline a new Leverhulme-funded project entitled “Beyond Walls: Reassessing Iron Age and Roman Encounters in Northern Britain”. The temporalities of interaction will be exemplified by combining insights into short-term events with a dramatic impact, and the long-term analysis of settlement landscapes that testify to more structural patterns and trajectories.

About Manuel Fernández-Götz: He is Reader in European Archaeology and Head of the Department of Archaeology at the University of Edinburgh. His main research interests are Iron Age and Roman societies in Europe, the archaeology of identities, and conflict archaeology. He has authored over 200 publications and directed fieldwork projects in Spain, Germany, the United Kingdom, and Croatia. His research has been recognised with the award of the Philip Leverhulme Prize and the Royal Society of Edinburgh’s Thomas Reid Medal. He is currently directing the Leverhulme-funded project “Beyond Walls: Reassessing Iron Age and Roman Encounters in Northern Britain”.

Eckhard Deschler-Erb, Irgendwo im Nirgendwo oder Mitten drin? Gamsen-Waldmatte, eine prähistorische Siedlung im Oberwallis

Die Siedlung Gamsen-Waldmatte befindet sich am oberen Lauf der Rhone mitten im schweizerischen Wallis. Mehrjährige Grabungen haben eine Siedlung zutage gefördert, die von der Spätbronzezeit bis ins 10. Jh. n.Chr. kontinuierlich besiedelt gewesen ist. Auch wenn diese Siedlung auf den ersten Blick stark isoliert scheint, zeigt umfangreiches Fundmaterial kulturelle Verbindungen quer durch das gesamte prähistorische und römische Mitteleuropa. Für die römische Zeit interessant ist insbesondere auch, dass die Siedlung zwar römische materielle Kultur annimmt, überwiegend jedoch in einheimischen Traditionen verhaftet bleibt.

Über Prof. Dr. Eckhard Deschler-Erb: Er hat von 1984-1989 in Mainz und Basel Vor- und Frühgeschichte (mit Schwerpunkt in provinzialrömischer Archäologie), Kunstgeschichte und Archäologie des Mittelalters studiert. Nach dem Lizentiat 1989 hatte er von 1990-1994 die Assistenz am Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Basel inne und wechselte nach seiner Dissertation 1995 zu Bronzekleinfunden aus dem Vicus Oberwinterthur-Vitudurum nach Zürich um am dortigen Institut für Ur-und Frühgeschichte 2008 zu habilitieren (Thema: Der Basler Münsterhügel am Übergang von spätkeltischer zu römischer Zeit. Ein Beispiel für die Romanisierung im Nordosten Galliens). Von 2013-2016 hatte er die Geschäftsführung in Zürich inne und wurde 2016 auf den Lehrstuhl für Archäologie der Römischen Provinzen an der Universität zu Köln berufen. Er ist Spezialist für Kleinfunde (Instrumentum) aus den römischen Provinzen und beschäftigt sich intensiv mit Transformationsprozessen am Übergang von später Eisenzeit zu früher Kaiserzeit.

Nico Roymans, Neue Ansätze zur Erforschung der Rekrutierungspraxis unter den Batavern

Aus historischen und epigraphischen Quellen wissen wir, dass indigene Gruppen im niedergermanischen Raum von der römischen Armee intensiv für die Stellung von Hilfstruppen genutzt wurden. Besonders gut ist dieses Phänomen der „ethnischen Rekrutierung“ für die Bataver zu fassen. Aber wann genau beginnt dieses und wie massiv erfolgte es in der Anfangsphase?
Die früheste historische Erwähnung betrifft das Auftreten von Batavern unter der Führung von Chariovalda während der Feldzüge des Germanicus 16 n. Chr. Aber was kann uns die Archäologie über die früheste Rekrutierung unter den Batavern sagen?
In der Präsentation werden nun auch numismatische Analysen auf breiter Datenbasis einbezogen, die ganz neue Einblicke in die Frühphasen dieser Entwicklung bieten.

Über Nico Roymans: Prof. Dr. Nico Roymans ist Professor für Nordwesteuropäische Archäologie an der Freien Universität Amsterdam (seit 1998). Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Gesellschaften der Späten Eisenzeit, keltisch-germanische Gruppen und deren Einbindung in die römische Einflusssphäre, Ethnizität und Ethnogenese im Römischen Reich sowie die Archäologie von Massengewalt und Genozid in der Antike. Zusätzlich war er bis 2020 Direktor von Portable Antiquities in the Netherlands, der systematischen Erfassung von Metallfunden aus privaten Sammlungen. Nico Roymans vereint dabei immer wieder archäologische und historisch-anthropologische Perspektiven.

Gabriele Rasbach, Grüße aus dem Süden - Metallfunde der Spätlatène- und frühen Kaiserzeit auf Sizilien

Der Vortrag widmet sich den Metallfunden aus der hellenistisch-römischen Siedlung auf dem im Hinterland Palermos gelegenen Monte Iato. Die Siedlung wird seit nunmehr über 40 Jahren von den Universitäten Zürich und Innsbruck untersucht. Die langjährigen Ausgrabungen haben zahlreiche Kleinfunde aus republikanischer und augusteischer Zeit erbracht, deren Bedeutung weit über den Fundplatz und über Sizilien hinausreichen. Hieraus lassen sich weitreichende Kulturkontakte und sehr wahrscheinlich die Anwesenheit fremder Individuen und Akteure auf Sizilien belegen. Unter den Funden befinden sich Militaria, Bronzegefäße und Fibeln, die auch für die Chronologie der vorrömischen (und frühen römischen) Eisenzeit nördlich der Alpen und auch unseren Raum von Bedeutung sind.

Über Gabriele Rasbach: Gabriele Rasbach ist wissenschaftliche Leiterin der Bibliothek und des Archivs der Römisch Germanisches Kommission (RGK) des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI). Weiterhin ist sie Lehrbeauftragte für die Vindonissa-Professur für Archäologie der römischen Provinzen an der Universität Basel. Neben ihren weitreichenden Forschungen zur Eisenzeit und zu germanisch-römischen Kulturkontakten nimmt ein Schwerpunkt nach wie vor die spätaugusteische Stadtgründung Lahnau-Waldgirmes ein.

Daniel Burger-Völlmecke, Das Legionslager von Mogontiacum/Mainz – Roms 400jähriger Militärstützpunkt am Rhein

Das Legionslager von Mainz wurde als Winterlager für die germanischen Feldzüge unter Kaiser Augustus im vorletzten Jahrzehnt vor Christi Geburt angelegt. Seine Gründung gilt als Geburtsstunde der Stadt Mainz. Mit seiner 400jährigen Nutzungszeit zählt das Legionslager nicht nur zu den am längsten genutzten, sondern aufgrund von dort ausgehenden Ereignissen reichsweiter Bedeutung zeitweise auch zu den wichtigsten Militärplätzen des Imperiums. Angesichts dieser historischen Bedeutung ist es erstaunlich, wie wenig über das Lager bisher bekannt war. Der Vortrag gibt Einblicke in die Ergebnisse neuer Forschungen, die im Jahr 2020 im Rahmen einer Freiburger Dissertation zur Topographie und Umwehrung des Mainzer Legionslagers erschienen sind.

Über Daniel Burger-Völlmecke: Dr. Daniel Burger-Völlmecke ist provinzialrömischer Archäologe und Kurator für die Sammlung Nassauischer Altertümer beim Stadtmuseum Wiesbaden. Er schloss 2017 seine Promotion zum Thema „Topographie und Umwehrung des römischen Legionslagers von Mogontiacum/Mainz“ an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg bei Prof. Heising ab. Anschließend wirkte er als wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Archäologie und Geschichte der Römischen Provinzen an der Goethe-Universität Frankfurt bei Prof. Markus Scholz und führte in diesem Rahmen Ausgrabungen an den frühkaiserzeitlichen Anlagen „Auf dem Ehrlich“ und auf dem „Blöskopf“ bei Bad Ems sowie am römischen Marschlager bei Hofheim durch.

Markus Scholz, Roms Gier nach dem Silber: römisches Militär an der unteren Lahn in claudisch-neronischer Zeit

Das Lahntal weist prominente römische Fundstellen aus spätrepublikanischer und augusteischer Zeit auf, jüngere Zeugnisse direkter Präsenz Roms fehlten bisher. Als 2016 bei Bad Ems ein römisches Militärlager in Holz-Erde-Technik von ca. 8 ha Größe entdeckt wurde, schien ein weiterer augusteischer Stützpunkt gefunden worden zu sein. Die Ausgrabungen der Goethe-Universität Frankfurt und der GDKE Koblenz in den Jahren 2017–18 legen jedoch eine claudisch-neronische Datierung nahe. Das hat auch Konsequenzen für ein altbekanntes römisches Denkmal auf dem nahe gelegenen „Blöskopf“. Beide Anlagen stehen offenbar im Kontext römischen Bergbaus an der unteren Lahn.

Über Markus Scholz: Markus Scholz ist Professor für Archäologie und Geschichte der römischen Provinzen an der Goethe-Universität Frankfurt a.M. Zuvor arbeitete er beim Landesdenkmalamt Baden-Württemberg sowie am RGZM. Seine Forschungen sind breit aufgestellt, Schwerpunkte liegen vor allem in der Limesforschung und der Epigraphik – hier insbesondere sog. Kleininschriften, z. B. Fluchtäfelchen und Graffiti – sowie der Wirtschafts- und Sozialgeschichte anhand von Kleininschriften und Grabmonumenten.

Debora Tretola Martinez, Am Handel erkennt man die Ware. Römische Amphoren und Handelsbeziehungen um die Zeitenwende (1. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr.)

Für die Frühgeschichte und die Römische Zeit liefern Amphoren zahlreiche Informationen zur Produktion, zum Handel und zum Konsum vorwiegend mediterraner Lebensmittel. Im Rahmen des Vortrages werden besagte Aspekte mit Fokus auf die späte Eisenzeit und den Beginn der Kaiserzeit untersucht. Dabei spielt die chronologische Einordnung der Amphoren eine zentrale Rolle. Schließlich soll auf die Interpretationsmöglichkeiten von Amphorenfunde eingegangen werden.

Über Debora Cristina Tretola Martinez: Sie schloss 2010 ihr Studium zur Archäologie der Römischen Provinzen, Archäologie des Mittelmeerraumes (Klassische Archäologie) und Ur- und Frühgeschichte an der Universität Bern ab. 2020 wurde sie an der Universität Bern zum Thema "veni, vidi, aedificavi. Vom spätkeltischen Gehöft zur römischen villa. Die ländliche Besiedlung im südlichen Oberrheingebiet um die Zeitenwende am Beispiel von Reinach BL" promoviert. Sie beschäftigt sich bereits seit 2005 intensiv mit Amphorenfunden aus spätrepublikanischen resp. späteisenzeitlichen Kontexten. Zu ihren Projekten gehören die Aufarbeitung der Nekropole von Goeblingen-Nospelt (2009 publiziert), des sogenannten Emporium auf dem Titelberg (in Arbeit), die römischen Militärlager in Limburg-Eschhofen (2020 publiziert) und das caesarische Feldlager von Hermeskeil (in Arbeit). Seit 2012 ist sie in der Kantonsarchäologie Aargau und seit 2020 als assoziierte Forscherin am Institut für Archäologische Wissenschaften in Bern tätig.

Tanja Zerl, Landwirtschaft und Ernährung während der späten Eisenzeit in der Niederrheinischen Bucht

Im Rahmen einer Dissertation wurde Pflanzenmaterial aus späteisenzeitlichen Siedlungen in der Niederrheinischen Bucht analysiert. Diese Untersuchung erbrachte neue Erkenntnisse über Landwirtschaft und Ernährung in den letzten Jahrhunderten vor der Zeitenwende. Dazu gehören eine Intensivierung des Getreidebaus sowie nachweisliche Überschussproduktion und Einlagerung von Erntegut. Die agrarwirtschaftlichen Merkmale der späten Eisenzeit sollen u. a. anhand von Vergleich mit den vorangegangenen bronze- und eisenzeitlichen Phasen sowie mit der nachfolgenden römischen Epoche vorgestellt werden.

Über Tanja Zerl: Tanja Zerl hat Vor- und Frühgeschichte, Botanik und Geschichte und Kultur der römischen Provinzen studiert. Derzeit ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Labor für Archäobotanik des Instituts für Ur- und Frühgeschichte der Universität zu Köln, wo sie sich vor allem mit pflanzlichen Großresten aus Fundstellen aller Epochen beschäftigt. Schwerpunkte ihrer Forschung liegen auf der Rekonstruktion der Landwirtschafts- und Ernährungsgeschichte in Mitteleuropa.

Andrew Fitzpatrick, Julius Caesar’s Conquest of Britain

Prof. Dr. Andrew Fitzpatrick (University of Leicester) “Julius Caesar’s Conquest of Britain” 7. Dezember 2020, 18:15 Uhr Der Vortrag findet in englischer Sprache statt

Julius Cäsar landete 55 und 54 v. Chr. in Britannien. Lange wurde vermutet, dass diese beiden Expeditionen letztlich kaum Auswirkungen auf Britannien hatten. Auch in Rom verblassten sie wohl schnell in der Erinnerung. Ebenso wurde angenommen, dass die Britannienfeldzüge des Prokonsuls – wenn überhaupt – nur sehr wenige archäologische Spuren hinterließen. Der Nachweis eines wahrscheinlichen Landungsplatzes mit Marinebasis aus der Kampagne des Jahres 54 v. Chr. auf der Insel Thanet zeigt nun jedoch, dass diese Vermutungen revidiert werden müssen.

Thema des Vortrages ist u.a. die Frage, warum Cäsar nach Britannien kam. Zudem nimmt er die Geschichte und Archäologie der beiden Kampagnen in den Blick, ebenso wie ihre Bedeutung für Cäsars neun Jahre andauernden Gallischen Krieg. Weit davon entfernt, nur eine verblasste Erinnerung zu sein, hatte Cäsars Invasion allem Anschein nach einen anhaltenden und bedeutenden Effekt auf Britannien und führte ein knappes Jahrhundert später zu dessen permanenten Besetzung durch Rom.

Über Andrew Fitzpatrick: Andrew Fitzpatrick ist Forscher und Honorarprofessor an der Universität Leicester. Derzeit arbeitet er an einem Buch über Julius Caesars Eroberung Britanniens und war kürzlich Mitherausgeber eines Bandes zur Archäologie des Gallischen Krieges. Er ist vor allem in der Eisenzeitforschung tätig und Fellow der Society of Antiquaries of London sowie der Society of Antiquaries of Scotland und Mitglied des Chartered Institute for Archaeologists.